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Jahr

Jahr. Die Hebräer hatten nicht wie wir Sonnenjahre, sondern Mondjahre (vgl. Ps. 104,19), das heißt jeder der 12 Monate des Jahr wurde von einem Neumond zum andern gerechnet, und da die zwischen zwei Neumonden liegende Zeit 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten beträgt, so zählte das Jahr 354 Tage, 8 Stunden, 48 Minuten. Der Monat hatte bald 29, bald 30 Tage. Wie der Thalmud angibt, wurde nämlich, sobald dem Synedrium das erste Erscheinen der Mondsichel von zwei zuverlässigen Zeugen gemeldet worden war, der Neumond begonnen. Wenn aber der Neumond wegen trüben Himmels nicht beobachtet werden konnte, so galt der auf den 30. folgende Tag von selbst als Neumondstag. Wie man die Ausgleichung mit dem Sonnenjahr, die schon der Landwirtschaft und der mit ihr zusammenhängenden Feste wegen notwendig war, herstellte, wird im Alten Testament nicht angedeutet. Es ist jedoch nicht zu bezweifeln, daß man es damit schon in älteren Zeiten ebenso hielt, wie später, daß man nämlich alle zwei bis drei Jahre einen Schaltmonat einschob (in einer Periode von 8 Jahren dreimal), So geschah es auch bei den alten Babyloniern und Assyrern. Dieser auf den letzten Monat Adar folgende Monat (s. Monat) hieß der zweite Adar (Weadar). Wenn gegen Ende des 12. Monats die Feldfrüchte noch nicht so weit gediehen waren, daß man am 15. des ersten Monats das Erstlingsopfer hätte darbringen können, und man voraussah, daß das am Vollmond (14.) des Nisan zu feiernde Passah nicht, wie es sein mußte, nach der Frühlings-Tag- und Nachtgleiche, sondern vor dieselbe fallen würde, so wurde ein Schaltmonat eingefügt. Im Sabbatjahr durfte eine Einschaltung nicht geschehen, damit nicht die Zeit der Brache noch mehr verlängert werde. Im 4. Jahrhundert n. Chr. schlossen sich die Juden an die griech. Praxis an, nach welcher je in 19 Jahren 7 Schaltjahre vorkamen (das 3., 6., 8,. 11., 14., 17., 19.). Der Jahresanfang soll nach 2 Mo. 12,2 im Frühling stattfinden. Das hat für den Kreislauf der relig. Feste Geltung. Daneben finden sich aber schon im Alten Testament mannigfache Spuren, welche darauf hinweisen, daß man, wo es sich um den Landbau und wohl überhaupt um bürgerliche Geschäfte handelte, die Jahre von Herbst zu Herbst zählte, s. 2 Mo.,23,16; 34,22; 3 Mo. 25,4. 9, wie ja auch heute noch bei den Juden am 1. Tischri (also am 1. des 7. Monats) das Neujahr gefeiert wird. Die bei den Juden übliche Unterscheidung des kirchl. und des bürgerl. Jahrs reicht schon in die Zeit nach dem Exil zurück. [Aber Spuren davon, daß man sowohl im Frühjahr, als auch im Herbst das Jahr beginnen konnte, finden sich schon in Babylonien vor 2000 v. Chr. (vielleicht lokal schwankend), bis dort in der Hammurabizeit ein- für allemal das Neujahr auf den 1. Nisan festgelegt wurde. Vgl. auch noch den Artikel Monate.] — Das Alte Testament kennt nur zwei Jahreszeiten, Ps. 74,17; Jes. 18,6; Sach. 14,8. Der Winter beginnt mit dem Frühregen, schließt mit dein Spätregen (s. Frühregen). Der häufige Regen macht in dieser Jahreszeit die Straßen oft ungangbar (vgl. Mt. 24,20). Der Schnee, der bisweilen fällt, bleibt meist nicht länger als einen Tag liegen (s. Schnee). Im Sommer ist der Himmel wolkenlos. Trotz der Hitze bei Tag können übrigens die Nächte kühl sein. 1 Mo. 31,40; Jer. 36,22. Vgl. auch Artt. Alter, Zeit.
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