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Indien

Indien tritt in den Gesichtskreis Vorderasiens erst in der Perserzeit, wo es im Provinzenverzeichnis des Königs Darius in der dreisprachigen Nakschi-Rustam-Inschrift als altperstsch Hindusch, als babyl. Indû (aus älterem Sindhu, wie das Siebenstromgebiet des nordwestl. Indiens hieß) erscheint; vgl. auch das sindû-Holz der assyr. Inschriften (— das indische?). So wird es im Alten Testament auch erst im Estherbuch 1,1 und 8,9 in der Grenzbezeichnung des Reiches des Ahasverus „von Indien (Hoddû aus Hondu) bis Äthiopien“ genannt. Auf Indien wäre schon zu Salomos Zeit angespielt, wenn wirklich Ophir (s. d.) ein Teil Indiens wäre, was aber sicher nicht der Fall ist, und auch die auf dem schwarzen Obelisken Salmanassars IIndien als Tribut des kleinasiatisch-armenischen Musri abgebildeten Tiere (Elefant, Affen und zweihöckriges Kamel) haben nichts mit Indien zu tun; ebensowenig ist das gut ostarabische Chavilah (s. Hevilah) dem Pison (s. d. und auch d. Artt. Eden u. Euphrat) zulieb in Indien zu suchen. Eine andere Frage ist, ob nicht doch schon in vorpersischer Zeit zur See (von Südarabien aus, vielleicht durch die nach Ophir fahrenden Phöniker vermittelt) oder auf dem Landweg (über Chovaresmien oder das Oxusgebiet) eine Verbindung Indiens mit Babylonien und Arabien bestanden hat, worauf vor allem eine Reihe babylonischer Kulturentlehnungen und Beeinflussungen in der ältesten indischen Literatur hinweist; freilich ist dazu in Betracht zu ziehen, daß die Vorfahren der arischen Inder um die Mitte des 2. vorchristl. Jahrtausend noch in der Nähe des Kaspischen Meeres, also im nächsten Bereich der babyl. Kultur, gesessen haben und so jene Entlehnungen einfach durch ihre Wanderung in die neue Heimat mitgebracht haben können.
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