Ganz
Ganz, verwandt mit: völlig, vollkommen, drückt von dem letzteren Begriff eine Seite aus, nämlich die Vollständigkeit des Inhalts, nicht aber auch die völlige Ausbildung und Ausgestaltung der Form. Es bedeutet daher, abgesehen von den Stellen, wo es von äußeren Dingen gebraucht wird, die ungeteilte Richtung des menschlichen Willens, oder den vollen Bestand des menschlichen Wesens. Ersteres in der Verbindung: von ganzem Herzen oder von ganzer Seele, die im Alten Testament häufig vorkommt, vor allem in 5 Mo. Von ganzem Herzen soll man sich zum Herrn bekehren, ihn suchen, ihn lieben, seine Gebote halten, 5 Mo. 4,29; 6,5; 10,12; 26,16; 30,6. 10; Jer. 24,7; 29,13; Joel 2,12; Ps. 119 öfter zum Beispiel V. 2. 34, vgl. 2 Kö. 23,25, auf ihn vertrauen Spr. 3,5, ihm danken zum Beispiel Ps. 86,12. Abgebildet wird die Hingabe des ganzen Herzens an Gott durch das Brandopfer, das g. verbrannt werden soll, daher auch Ganzopfer genannt (in der griech. Übersetzung), vgl. auch die Verordnung beim Passahlamm: ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen. Im Neuen Testament wird das Gebot, Gott von ganzem Herzen zulieben, von Jesu bestätigt. Sonst steht das Wort im Neuen Testament im Zusammenhang mit dem Ziel des Christenlaufes und in der Bedeutung des vollen Bestandes, so namentlich 1 Th. 5,23: „Der Geist wird g. unsträflich behalten, wenn er nicht gedämpft und von dem Durchdringen in Seel und Leib nicht gehindert wird, wenn er nicht durch ungeprüftes Verachten oder Annehmen dessen, was ihm vorkommt, Schaden nimmt“ (K. H. Rieger, Betracht. über das Neue Testament).
Jak. 1,4 bedeutet „ganz“ nach dem Grundtext den vollen Anteil am Erbe des Gottesreiches, vgl. 2 Joh. 8.