Frühregen
Frühregen, Spätregen. Die geographische Lage Palästinas (Jerusalem liegt zwischen dem 31. und 32° n. Br.) bringt es mit sich, daß der Wechsel der Tageslänge durchweg ein ganz geringer ist. Einen Frühling und Herbst gibt es in Palästina nicht; nur Sommer und Winter. Dieser ist die Zeit des Regens (Hohel. 2,11) und währt von Oktober bis März, jener ist die Zeit der Trockenheit, während welcher in der Regel kein Regen fällt. Der Winter beginnt gegen das Ende Oktobers mit dem sog. Frühregen (5 Mo. 11,14), der das dürre, nach Wasser lechzende Land erstmals befeuchtet und im Laufe weniger Tage grün bekleidet und den Boden zum Ackern und Säen tauglich macht. Nach dem ersten sog. Frühregen folgt eine Zeit, in welcher vielfach Regen und in den höheren Lagen Schnee fällt. Die Niederschläge bringt in der Regel ein Süd- oder Südwestwind. Zwischen hinein bringt ein Nordwestwind milde, sonnige Tage. In den drei Wintermonaten halten dann die nördlichen Winde an, vielfach zu Stürmen sich steigernd und öfters gewaltige Regengüsse mit sich führend. Die Winterfrucht ist jetzt im Boden und das Kulturfeld bekleidet sich mit Saaten grün. Die den Sommer über vertrockneten, kümmerlich unter der Erde fortlebenden Knollen- und Zwiebelgewächse schwellen wieder auf und keimen, alles Leben wird geweckt, namentlich auch das der Schnecken und anderer wirbelloser Tiere.
Ende März, Anfang April kommen nach einer Reihe sonniger Tage oder Wochen noch einige Regentage, von Gewittern und kühler Temperatur eingeleitet. Es ist der Spätregen, der die Winterfrucht zur Entwicklung bringt. Manchmal verzögert sich der Spätregen bis in die ersten Tage des Mai. Nun wird das Sommerfeld bestellt und die Sommerfrucht gesät. Der Sommer beginnt jetzt faktisch, das heißt ein wolkenloser Himmel (1 Sa. 12,17) und steigende Wärme. Im Mai ist in der Regel die Gerstenernte, im Juni die Weizenernte, deren Saat mit dem Spätregen in die Erde gelegt war. Im allgemeinen wehen jetzt die Winde aus Süden und Südosten, letztere sind die gefürchtetsten, die versengend heiß aus der Wüste kommen. Fallen dieselben vor der Reifezeit der Saaten ein, so zerstören sie teilweise die Ernte und verdorrt der Halm. Vor dem völligen Verdorren bewahrt nur der glücklicherweise sehr reichlich fallende Tau (1 Mo. 27,39 und 5 Mo. 33,13).